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Ein Interview zwischen Jebagro und der AMA Freight über die aktuelle Frachtensituation, den Erfahrungen und den möglichen Verlauf.

 

Die AMA Freight Agency GmbH wurde 1994 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Hamburg.
Als mittelständisches und inhabergeführtes Familienunternehmen mit über 100 Mitarbeitern weltweit agiert die Gesellschaft mit eigenen Niederlassungen in China, Hong Kong und der Ukraine. Im Interview haben wir mit der AMA zur aktuellen Frachtensituation, den Erfahrungen und dem Verlauf hierzu gesprochen.

Würden sie uns bitte kurz erläutern welche Faktoren zu der aktuellen Frachtensituation geführt haben?
Die aktuelle Situation ist ein Ergebnis aus vielen verschiedenen Faktoren, die sich in den letzten 24 Monaten zusammen zu einer weltweit schwierigen Lage in der Logistik entwickelt hat. Die Carrier haben aufgrund eines schwächeren Jahres in 2019 und natürlich aufgrund von Corona nicht ausreichend in Equipment investiert, da niemand davon ausgegangen ist, dass die Wirtschaft in Asien sich so schnell erholt. Die Exportwirtschaft ist speziell in China seit Juni stark gestiegen. Neben den vielerorts knappen Schiffsraumkapazitäten ist vor allem die generelle Containerknappheit der ausschlagebene Punkt. Viele Probleme haben sich schon länger angedeutet, wurden aber erst durch die Corona-Pandemie richtig akut. Der weltweite logistische Zyklus ist aus den Fugen geraten. Das hat die Frachtpreise in vielen Relationen in den letzten 4-5 Monate auf Rekordhöhe schnellen lassen.

Es gab anfangs Zeiten, da hatten wir mit knapp unter USD 2000,00 pro Container kalkuliert und am Ende wurden uns fast USD 5000,00 abgerechnet.
Haben sie solch enorme Sprünge schonmal erlebt?
Es hat in der Vergangenheit immer Höhen und Tiefen gegeben.
Aber die schnelle Entwicklung des Marktes der letzten Monate hat es in der Art und Weise noch nicht gegeben.

Wir als Jebagro mussten einen fast sechsstelligen Betrag an Frachtdifferenzen zahlen. Glauben sie, dass andere Firmen einen vergleichbaren oder gar noch höheren Betrag einbüßen mussten und manche dadurch in Schwierigkeiten geraten sind?
Die Situation ist ja für alle die gleiche. Selbst große Discounter, die eigentlich Langzeitkontrakte haben, wurden nicht mehr bedient und mussten genauso höhere Frachten zahlen, um Platz und Equipment zu erhalten. Die meisten Firmen hatten am Ende keine Wahl, als die hohen Frachten zu zahlen, damit Produktionsketten nicht unterbrochen oder deren Vereinbarungen mit Kunden nicht gebrochen werden. Einige Firmen, gerade bei Geschäften mit geringem Warenwert, haben die Geschäfte ausgesetzt, weil die Kalkulationen eine Verschiffung nicht mehr zugelassen hat.

Sind sie der Meinung, dass sich die Situation noch zuspitzen wird, oder können wir bald mit einer Entspannung rechnen?
Es ist vielerorts weiter von steigendem Wirtschaftswachstum zu hören, wie z.B. in China, Südostasien oder auch in Europa. Da sich aber die Platz- und Equipment Probleme nicht auf Knopfdruck lösen lassen und uns diese wohl noch einige Zeit beschäftigen werden, gehen wir nicht von einer größeren Entspannung vor dem Sommer aus.

Haben die Reeder bereits Maßnahmen ergriffen damit sich die weltweite Situation wieder entspannt?
Einige Reeder haben schon mitgeteilt, dass diese einige tausend neue Container bestellt haben.
Ob diese Summen aber reichen, den aktuellen Bedarf zu decken ist fraglich. Hinzu kommt, dass diese Container ja auch noch produziert und ausgeliefert werden müssen.
Andere Maßnahmen werden regelmäßig ergriffen, aber es ist zu bezweifeln, dass die Reeder daran interessiert sind, Maßnahmen zu ergreifen, die zu eine kurzfristige Besserung führen. Am Ende sind die Reeder schließlich die aktuellen „Gewinner“ der Situation.

Was prognostizieren sie für den Rest des Jahres? Wo könnten sich die Raten wieder einpendeln? Kommen wir wieder auf ein Niveau, welches wir vor September 2020 hatten?
Das aktuelle Jahr wird wohl weiterhin sehr schwierig bleiben. Einen riesen Einfluss wird die weitere Entwicklung in der Corona-Pandamie sein. Die Preise werden bestimmt auch wieder fallen. Aber Zeitraum und Höhen zu prognostizieren ist in der Corono-Pandamie nicht möglich.

 

Wir Danke der AMA Freight Agency GmbH für das spannende Interview!